Autor: Benedikt Junker · Fachlich geprüft von Prof. Dr. Limmroth
Wir feiern Geburtstage, zählen unsere Jahre und fragen uns oft: „Wie alt bin ich wirklich?“ In der Regel denken wir dabei an unser chronologisches Alter, die Anzahl der Jahre, die seit unserer Geburt vergangen sind. Doch wie alt wir uns fühlen, kann oft stark von dieser Zahl abweichen. Aber das ist noch nicht die ganze Geschichte. Neben dem gefühlten und dem kalendarischen Alter gibt es auch das sogenannte biologische Alter, das in der Forschung als Hinweis auf den Gesundheitszustand und die Langlebigkeit diskutiert wird.
Chronologisches vs. Biologisches Alter: Was ist der Unterschied?
Das chronologische Alter ist einfach: Es ist die Zahl, die uns sagt, wie viele Jahre wir gelebt haben. Wenn Sie 50 Jahre alt sind, bedeutet das, dass Sie seit fünf Jahrzehnten auf dieser Welt sind. Es gibt jedoch viele Menschen, die sagen: „Man ist nur so alt, wie man sich fühlt!“ Und oft stimmt das auch, manche fühlen sich jünger, andere älter.
Doch es gibt einen dritten, entscheidenden Faktor: Das biologische Alter. Dieses beschreibt, wie "alt" Ihr Körper aus wissenschaftlicher Sicht ist, basierend auf verschiedenen Gesundheitsindikatoren und Molekülen in Ihrem Körper. Es ist quasi eine „innere Uhr“, die aufzeigt, wie gut Ihre Zellen und Organe arbeiten, unabhängig von Ihrem Geburtsdatum.
Wie wird das biologische Alter gemessen?
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass unser biologisches Alter mit sogenannten epigenetischen Veränderungen zusammenhängt. Das sind winzige, chemische Veränderungen in unseren Genen, die darüber entscheiden, wie aktiv oder inaktiv bestimmte Gene sind. Mit diesen Veränderungen lässt sich abschätzen, wie schnell unsere Zellen altern.
Eine der bahnbrechenden Entdeckungen kam von Steve Horvath, einem Forscher, der herausfand, dass sich das biologische Alter anhand von DNA-Methylierungsmustern schätzen lässt. Dies sind chemische Gruppen, die sich an unsere DNA heften und die Aktivität von Genen beeinflussen. Diese Muster verändern sich mit dem Alter und geben Hinweise darauf, wie "alt" unser Körper aus wissenschaftlicher Sicht ist.
Warum ist das biologische Alter wichtig?
Warum sollten wir uns Gedanken über unser biologisches Alter machen, wenn unser chronologisches Alter sowieso feststeht? Ganz einfach: Das biologische Alter kann ein Hinweis darauf sein, wie es unserem Körper aus wissenschaftlicher Sicht geht. Es kann zeigen, ob wir schneller oder langsamer altern, als unser kalendarisches Alter vermuten lässt. Ein 50-jähriger Mensch kann biologisch gesehen 40 oder sogar 60 Jahre alt sein, abhängig von seinem Lebensstil, seinen Genen und seiner Gesundheit.
Wenn wir unser biologisches Alter kennen, können wir uns bewusster mit unserem Lebensstil auseinandersetzen. Bestimmte Lebensgewohnheiten wie eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf werden in der Forschung mit einem niedrigeren biologischen Alter in Verbindung gebracht. Gleichzeitig werden Gewohnheiten wie Rauchen, wenig Bewegung oder unausgewogene Ernährung mit einem höheren biologischen Alter assoziiert.
Wie kann man sein biologisches Alter beeinflussen?
Das Interessante ist: Die Forschung zeigt, dass Lebensstilfaktoren mit dem biologischen Alter zusammenhängen. Eine ausgewogene Ernährung, körperliche Aktivität und der Verzicht auf ungesunde Gewohnheiten werden in Studien damit in Verbindung gebracht, dass das biologische Alter langsamer voranschreitet.
Zum Beispiel haben Wissenschaftler beobachtet, dass bestimmte Blutwerte, sogenannte Biomarker, viel über den Zustand unseres Körpers verraten. Werte wie der Blutzucker (HbA1c) oder bestimmte Entzündungsmarker (z.B. CRP) werden in der Forschung als Anhaltspunkte für den allgemeinen Gesundheitszustand herangezogen. Lebensstiländerungen werden in Studien mit Veränderungen dieser Werte in Verbindung gebracht.
Ein Blick in die Zukunft
Die Forschung zum biologischen Alter entwickelt sich rasch weiter. Es gibt mittlerweile viele Tests, die es ermöglichen, das biologische Alter einzuschätzen, und das nicht nur im Labor, sondern auch bequem von zu Hause aus. Diese Entwicklungen werden im Kontext der präventiven Medizin diskutiert.
In Zukunft wird es vielleicht möglich sein, Lebensgewohnheiten noch gezielter am biologischen Alter zu orientieren. Die Forschung beschäftigt sich mit der Frage, wie sich Lebensstil und biologische Alterung zueinander verhalten.
Fazit
Das biologische Alter gibt einen Hinweis darauf, wie unser Körper aus wissenschaftlicher Sicht in Form ist. Während das chronologische Alter eine feste Zahl ist, wird das biologische Alter in der Forschung als Ausdruck davon diskutiert, wie Lebensstil und Gesundheit mit der Alterung zusammenhängen. Wenn wir unser biologisches Alter kennen, können wir uns bewusster mit unserem Lebensstil auseinandersetzen.
