Autor: Benedikt Junker · Fachlich geprüft von Prof. Dr. Limmroth
Hast du jemals darüber nachgedacht, ob dein Alter wirklich nur durch die Jahre bestimmt wird, die du gelebt hast? Was wäre, wenn dein Alter nicht nur von deinem Geburtsdatum abhängt, sondern sich auch am Zustand deines Körpers ablesen ließe? Willkommen in der faszinierenden Welt der Epigenetik. Die Epigenetik gibt Hinweise darauf, wie jung oder alt dein Körper nach wissenschaftlichen Modellen erscheint.
Was genau ist Epigenetik?
Du denkst vielleicht: „Noch nie gehört.“ Kein Problem. Lass es mich für dich einfach machen. Stell dir deine DNA wie eine riesige Bibliothek voller Bücher vor. Jedes Buch ist ein Gen, das etwas über dich erzählt, vielleicht über deine Augenfarbe, vielleicht über deine Biologie. Aber hier ist der Clou: Nicht jedes Buch wird immer gelesen. Die Epigenetik beschreibt, welche Bücher aus dem Regal geholt werden und welche verstaubt bleiben.
Mit der Zeit fangen bestimmte Bereiche unseres Erbguts an, aktiver oder weniger aktiv zu sein. Diese Muster verändern sich laufend und stehen in der Forschung in Zusammenhang damit, wie der Körper altert.
Alter und die epigenetische Uhr
Lass uns über das reden, was in diesem Zusammenhang wirklich zählt: dein biologisches Alter. Das ist nicht die Zahl, die auf deinem Ausweis steht. Das biologische Alter ist ein Schätzwert dafür, wie der Körper nach wissenschaftlichen Modellen erscheint, basierend darauf, wie gut Zellen funktionieren. Du kannst 40 Jahre alt sein, biologisch geschätzt vielleicht 30 oder 50. Klingt überraschend? Genau das macht das Thema so interessant.
Forscher wie Steve Horvath haben beschrieben, dass sich ein biologisches Alter über winzige chemische Veränderungen schätzen lässt. Diese Veränderungen nennt man DNA-Methylierung, eine Art An- und Ausschalten bestimmter Gene. Das Spannende? Diese Muster werden in der Forschung wie eine innere Uhr genutzt, um das biologische Alter zu schätzen, die sogenannte epigenetische Uhr.
Was die Forschung zum biologischen Alter untersucht
Hier wird es richtig interessant. Deine epigenetische Uhr lässt sich nicht nur ablesen, die Forschung untersucht auch, wie der Lebensstil damit zusammenhängt. Studien beschreiben, dass Bewegung, ausgewogene Ernährung und weniger Stress mit epigenetischen Markern in Verbindung stehen. Wichtig: Das sind statistische Zusammenhänge aus der Wissenschaft, kein garantiertes Ergebnis für den Einzelnen.
Erinnerst du dich an diese Bücher in der Bibliothek? Die Forschung geht davon aus, dass Lebensgewohnheiten mitbeeinflussen, welche Bücher häufiger „gelesen“ werden. So wird untersucht, wie gesunde Gewohnheiten mit der Aktivität bestimmter Gene zusammenhängen.
Was die Wissenschaft dazu sagt
Im Jahr 2019 gab es eine viel zitierte Pilotstudie, die TRIIM-Studie. In dieser sehr kleinen Studie mit nur neun männlichen Teilnehmern und ohne Kontrollgruppe berichteten die Forscher über Veränderungen epigenetischer Marker. Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl und des Studiendesigns sind diese Ergebnisse vorläufig und müssten in größeren, kontrollierten Studien erst bestätigt werden. Sie zeigen, dass das Thema wissenschaftlich untersucht wird, sind aber kein Beleg für eine Umkehr des Alterns.
Warum solltest du das wissen?
Weil das biologische Alter in der Forschung als aussagekräftiger Indikator für die Verfassung des Körpers gilt, oft mehr als die Zahl, die du jedes Jahr auf deiner Geburtstagstorte siehst. Es ist ein Anhaltspunkt dafür, wie gut der Körper nach diesem Modell funktioniert. Und es gibt dir einen Ausgangspunkt, um dich fundiert und gemeinsam mit Fachleuten mit deiner Gesundheit auseinanderzusetzen.
Dein biologisches Alter besser verstehen
Du hast jetzt das Wissen, also was machst du damit? Die Epigenetik hat gezeigt, dass Altern in der Forschung als ein Prozess betrachtet wird, der mit vielen Faktoren zusammenhängt. Studien beschreiben Zusammenhänge zwischen Lebensstil und epigenetischen Markern, sei es Bewegung, Ernährung oder Stress. Wie du diese Erkenntnisse für dich nutzt, besprichst du am besten mit ärztlichem Rat.
Wenn es darum geht, deinen Körper einzuordnen, ist das biologische Alter ein spannender Blickwinkel neben der Zahl auf deinem Ausweis. Ein einzelner Testwert bleibt dabei eine Momentaufnahme und ersetzt keine ärztliche Beurteilung.
