NMN & NAD+

Ist in NMN wirklich NMN drin? Was Marktanalysen zeigen

Das Wichtigste in Kürze

  • Zwei Marktuntersuchungen haben den tatsächlichen NMN-Gehalt in Handelsprodukten gemessen. In beiden lag ein erheblicher Teil unter der Deklaration.
  • In der unabhängigen Untersuchung von 2024 (18 Produkte) reichte die Abweichung zur Deklaration von minus 100 bis plus 11,2 Prozent.
  • In einer Marktstichprobe von 2021 (22 Produkte) lagen 64 Prozent unter der Bestimmungsgrenze, darin 14 Prozent ohne jeden Nachweis. Diese Analyse stammt allerdings von einem Wettbewerber.
  • Positive Bewertungen und abgebildete Zertifikate sagen nichts über den Gehalt. Nachprüfbar wird er erst durch Chargennummer, benanntes Labor und benannte Methode.
22 Kacheln stehen für 22 untersuchte NMN-Produkte: drei erreichten die Deklaration, fünf lagen knapp darunter, 14 unter der Bestimmungsgrenze.
Inhaltsverzeichnis
  1. Steckt in NMN-Produkten wirklich das drin, was auf dem Etikett steht?
  2. Was hat die unabhängige Untersuchung von 2024 gemessen?
  3. Was fand die Marktstichprobe von 2021?
  4. Wie kann ein Produkt ganz ohne NMN in den Handel kommen?
  5. Warum helfen Bewertungen und Zertifikatsbilder hier nicht weiter?
  6. Woran erkenne ich einen Nachweis, den man nachprüfen kann?
  7. Was heißt das für den deutschen Markt?
  8. Das Wichtigste in Kürze

Autor: Benedikt Junker · Fachlich geprüft von Prof. Dr. Limmroth

Wer NMN kauft, kauft ein weißes, geschmacksneutrales Pulver, dem man nicht ansieht, was es ist. Ob die Menge stimmt, die auf der Packung steht, lässt sich weder am Aussehen noch am Preis ablesen. Zwei Untersuchungen haben nachgemessen, eine davon unabhängig und begutachtet. Dieser Beitrag fasst zusammen, was sie gefunden haben und woran sich ein überprüfbarer Nachweis erkennen lässt.

Steckt in NMN-Produkten wirklich das drin, was auf dem Etikett steht?

Nicht durchgängig. In beiden bisher veröffentlichten Marktuntersuchungen lag ein erheblicher Teil der geprüften Produkte unter der deklarierten Menge, in einzelnen Fällen war überhaupt kein NMN nachweisbar.

Wichtig für die Einordnung: Beide Untersuchungen sind Stichproben aus bestimmten Märkten und Zeitpunkten. Sie erlauben keine Aussage über ein einzelnes Produkt, das heute in Deutschland angeboten wird. Was sie zeigen, ist, dass die Frage berechtigt ist und dass sie sich nur analytisch beantworten lässt.

Was hat die unabhängige Untersuchung von 2024 gemessen?

Spannweite der Abweichung vom deklarierten NMN-Gehalt in 18 untersuchten Produkten: von minus 100 Prozent, also kein NMN nachweisbar, bis plus 11,2 Prozent.

Ein Team um Prof. Andrea Maier am Healthy Longevity Translational Research Programme der National University of Singapore hat 18 NMN-Produkte analysiert. Die Arbeit erschien 2024 in der Fachzeitschrift GeroScience. Gemessen wurde mit Hochleistungsflüssigchromatographie gekoppelt an Triple-Quadrupol-Massenspektrometrie, kurz HPLC-QqQ-MS.

Der gemessene NMN-Gehalt reichte von nicht nachweisbar bis 99,2 Prozent der Probenmasse. Verglichen mit der Angabe auf der Packung lagen die Abweichungen zwischen minus 100 Prozent und plus 11,2 Prozent.

Der Punkt, der dabei leicht untergeht: Die Spannweite ist fast vollständig einseitig. Nach unten reicht sie bis zum vollständigen Ausfall, nach oben nur um gut zehn Prozent.

Hinweis zu einer verbreiteten Fehlangabe: In Zusammenfassungen dieser Arbeit kursiert für NMN eine Abweichung von bis zu plus 28 Prozent. Dieser Wert gehört zu Urolithin A, dem zweiten in derselben Studie untersuchten Stoff, dort mit minus 15,5 bis plus 28,6 Prozent. Für NMN gilt minus 100 bis plus 11,2 Prozent.

Was fand die Marktstichprobe von 2021?

Verteilung von 22 untersuchten NMN-Produkten: 14 Prozent auf oder über der Deklaration, 23 Prozent bei 88 bis 99 Prozent, 64 Prozent unter der Bestimmungsgrenze, darin 14 Prozent ohne jeden Nachweis.

Bereits 2021 wurden 22 NMN-Marken mit dem damals höchsten Marktanteil auf einem großen Online-Marktplatz untersucht, per Hochleistungsflüssigchromatographie mit UV-Vis-Detektor. Die Verteilung sah so aus:

Befund Anteil Produkte
auf oder über der Deklaration 14 % 3 von 22
knapp darunter, 88 bis 99 % 23 % 5 von 22
unter der Bestimmungsgrenze, also weniger als 1 % des deklarierten NMN 64 % 14 von 22
darin enthalten: kein NMN nachweisbar 14 % 3 von 22

Die Produkte ohne jeden Nachweis sind eine Teilmenge derer, die unter der Bestimmungsgrenze lagen. Zusammengenommen erreichten 37 Prozent der Stichprobe die Deklaration oder kamen ihr nahe.

Zur Einordnung gehört die Herkunft der Zahlen. Diese Untersuchung stammt nicht von einer unabhängigen Stelle, sondern von einem Unternehmen, das selbst eine konkurrierende NAD⁺-Vorstufe vermarktet. Das entwertet die Messwerte nicht, verlangt aber dieselbe Vorsicht, die auch für herstellerfinanzierte Studien zugunsten eines Rohstoffs angebracht ist. Die unabhängige Arbeit von 2024 kommt in der Tendenz zum gleichen Bild und ist die belastbarere Quelle.

Wie kann ein Produkt ganz ohne NMN in den Handel kommen?

Die Stichprobe von 2021 liefert dazu zwei Beobachtungen.

In einem Produkt wurde statt NMN eine große Menge Nicotinamid gefunden, über 200 Milligramm pro Portion, während alle anderen Proben unter einem Milligramm lagen. Nicotinamid ist eine Form von Vitamin B3, chemisch verwandt, deutlich günstiger und mit bloßem Auge nicht von NMN zu unterscheiden.

Zehn der 22 Produkte trugen denselben Distributor auf der Verpackung, bei ähnlichen Verpackungskomponenten, ähnlichem Chargencode-Format und ähnlichem Etikettendesign. Alle zehn lagen unter der Bestimmungsgrenze oder ohne Nachweis, und ihre Chromatogramme ähnelten einander bis hin zu einem auffälligen, nicht zugeordneten Signal. Zehn Markennamen, dem Befund nach ein Produkt.

Warum helfen Bewertungen und Zertifikatsbilder hier nicht weiter?

Weil beide nichts messen. Produkte, in denen kein NMN nachweisbar war, hatten teils hunderte positive Bewertungen. Ein Pulver, das sich gut auflöst und neutral schmeckt, erzeugt zufriedene Rückmeldungen unabhängig davon, was darin ist.

Für Analysezertifikate gilt das in schärferer Form. Ein abgebildetes Zertifikat auf einer Produktseite ist zunächst ein Bild. Es sagt nichts darüber, ob es zu der Charge gehört, die im Paket liegt.

Woran erkenne ich einen Nachweis, den man nachprüfen kann?

Ein Nachweis ist dann etwas wert, wenn ein Dritter ihn nachrechnen kann. Vier Angaben entscheiden darüber:

  • Chargennummer, die mit dem Aufdruck auf der Packung übereinstimmt.
  • Name und Ort des Prüflabors samt Akkreditierung, damit die Angabe überhaupt nachfragbar ist.
  • Benannte Methode, also womit gemessen wurde.
  • Prüfdatum, weil NMN Feuchtigkeit anzieht und sich unter Wärme verändert.

Die vollständige Prüfliste mit allen Qualitätskriterien steht im Beitrag NMN-Qualität erkennen.

Weiterführend: Wie ein solcher Nachweis in der Praxis aussieht, lässt sich beim NMN-Pulver von LIFETIME nachvollziehen. Dort ist der chargenbezogene Prüfbericht mit Labor, Methode und Chargennummer öffentlich einsehbar.

Was heißt das für den deutschen Markt?

Beide Untersuchungen stammen nicht aus Deutschland. Übertragbar ist daraus kein Prozentsatz, sondern die Vorgehensweise: Ohne chargenbezogene Analytik bleibt der Gehalt eines NMN-Pulvers eine Behauptung.

Davon unabhängig gilt in der EU eine zweite Frage, die mit der Analytik nichts zu tun hat. NMN ist als neuartiges Lebensmittel eingestuft und als Lebensmittel nicht zugelassen. Was das konkret bedeutet, erklärt der Beitrag Ist NMN in Deutschland legal?

Das Wichtigste in Kürze

  • Frag nach einer Messung, nicht nach einer Zusage. Der Gehalt eines Pulvers ist analytisch bestimmbar, alles andere ist Text auf einer Verpackung.
  • Prüfe, ob die Chargennummer im Prüfbericht mit der auf der Packung übereinstimmt. Ein allgemeines Musterzertifikat leistet das nicht.
  • Achte darauf, ob Prüflabor und Methode benannt sind. Fehlen beide, ist der Bericht nicht nachprüfbar.
  • Werte Bewertungen nicht als Qualitätshinweis für den Gehalt. Produkte ohne nachweisbares NMN hatten teils hunderte gute Bewertungen.
  • Achte bei jeder Marktzahl darauf, wer gemessen hat. Herstelleranalysen und unabhängige Arbeiten sind unterschiedlich zu gewichten.

Dieser Artikel hat informativen Charakter und gibt den Wissensstand zum 27. Juli 2026 wieder. Er stellt keine Rechtsberatung und keine gesundheitsbezogene Aussage im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 dar.

Häufige Fragen zum NMN-Gehalt

Nicht durchgängig. In zwei veröffentlichten Marktuntersuchungen lag ein erheblicher Teil der geprüften Produkte unter der deklarierten Menge, in einzelnen Fällen war überhaupt kein NMN nachweisbar. Beide Untersuchungen sind Stichproben und erlauben keine Aussage über ein einzelnes Produkt.

In einer Stichprobe von 22 Produkten aus dem Jahr 2021 lagen 64 % unter der Bestimmungsgrenze, also bei weniger als 1 % des deklarierten NMN. 14 % erreichten die Deklaration, weitere 23 % lagen mit 88 bis 99 % knapp darunter. Eine unabhängige Untersuchung von 18 Produkten aus dem Jahr 2024 fand Abweichungen zur Deklaration von minus 100 bis plus 11,2 %.

In der Stichprobe von 2021 enthielt ein Produkt über 200 mg Nicotinamid pro Portion, während alle anderen Proben unter 1 mg lagen. Nicotinamid ist eine Form von Vitamin B3, chemisch mit NMN verwandt, deutlich günstiger und optisch nicht zu unterscheiden.

Für den Gehalt nicht. Produkte, in denen kein NMN nachweisbar war, hatten teils hunderte positive Bewertungen. Ein neutral schmeckendes, gut lösliches Pulver erzeugt zufriedene Rückmeldungen unabhängig davon, was darin ist.

Daran, dass es eine Chargennummer nennt, die mit dem Aufdruck auf der Packung übereinstimmt, und dazu Prüflabor, Akkreditierung, Methode und Prüfdatum angibt. Fehlen diese Angaben, lässt sich der Bericht nicht nachprüfen. Die vollständige Prüfliste steht im Beitrag NMN-Qualität erkennen.

Die Untersuchung von 2024 stammt von einem Team der National University of Singapore und erschien begutachtet in der Fachzeitschrift GeroScience. Die Stichprobe von 2021 stammt von einem Unternehmen, das selbst eine konkurrierende NAD⁺-Vorstufe vermarktet, ist also eine Herstelleranalyse und entsprechend zu gewichten.